Zurzeit fragen mich viele Menschen, ob ich als Achtsamkeitstrainerin nicht Tipps geben kann, wie man in Zeiten von Covid-19, Home-Office und ‚Social Distancing‘ mit Ängsten und Einsamkeit umgeht. Die Situation ist für uns alle neu und das einzige was ich hier versuchen kann ist zu teilen, wie ich damit umgehe.

 

1. Zunächst einmal vorweg: Auch ich habe Ängste und fühle mich in manchen Momenten einsam. Es kommt und geht in Wellenbewegungen. Mein Tipp: Es hilft mir, anzuerkennen, dass es gerade turbulent ist und die unterschiedlichsten Gefühle sich im Stundentakt die Klinke in die Hand geben. Es hilft mir auch, die friedlichen oder schönen Momente bewusst wahrzunehmen – und seien sie noch so kurz!

 

2. Soziale Distanz, so wie wir sie gerade erleben, heißt zunächst einmal, dass wir physisch getrennt sind. Es heißt nicht, dass wir nicht mehr mit anderen Menschen verbunden sind. Zum Glück gibt es heute so viele Möglichkeiten, sich Online zu vernetzen und zu kommunizieren. Achtsamkeit bedeutet, tradierte Konzepte und Vorstellungen zu hinterfragen und Raum für Neues zu schaffen. Mein Tipp: Ersetze ‚Social Distancing‘ durch ‚Physical Distancing‘ und schau, was du konkret tun kannst, um dich mit Freunden und Familie zu verbinden.

 

3. In den ersten Tagen zu Hause habe ich pausenlos im Internet die News gelesen, mir jede Talkshow und fast jede Pressekonferenz zum Thema Corona-Virus angetan. Ich konnte nachts kaum schlafen, war nervös und gereizt. Dann habe ich die Reißleine gezogen. Ich checke jetzt nur noch zweimal am Tag die Nachrichten und nach 18 Uhr gar nicht mehr. Es ist unglaublich, wieviel besser es mir seitdem geht! Mein Tipp: Schütze dich vor aktuellen Nachrichten! Welche Nachrichten bringen dir wirklichen Mehrwert und welche schüren nur noch mehr Ängste?

 

4. Menschen erleben die aktuelle Situation ganz unterschiedlich: Während die einen sich freuen, endlich mal aus dem Hamsterrad aussteigen zu können, haben andere Menschen massive Existenzängste. Während die einen, sich darauf freuen, endlich ungestört an ihren Projekten zu arbeiten, geraten andere bei dem Gedanken über mehrere Wochen alleine zu Hause zu sitzen in Panik. Während die einen sich jung, gesund und unangreifbar fühlen, gibt es andere – auch unter den Jüngeren –, die zur Risikogruppe gehören und stark verunsichert sind. Mein Tipp: Schließe nicht von dir auf andere. Hör einfach nur zu und verkneife dir alle gutgemeinten Kommentare wie „Genieße doch die Chance mal innezuhalten!“ oder „Die ganzen Panikmacher nerven mich!“

 

5. Wir erleben gerade sehr unsichere Zeiten. Oder konkreter: uns werden unsere eigene Verletzlichkeit und die Verletzlichkeit unseres Wirtschaftssystems gerade sehr bewusst. Viele erleben das als Kontrollverlust. Mein Tipp: Fokussiere dich auf die Dinge, die du kontrollieren kannst. Dazu gehören all die oben stehenden Tipps. Aber auch Spazierengehen (solange das noch möglich ist), Yoga oder andere Übungen zu Hause machen, gesund kochen, vielleicht die Wohnung mal auszumisten, und Achtsamkeit zu praktizieren.

 

6. Achtsamkeit ist eine Praxis, die uns lehrt, gelassener mit Unsicherheit und Veränderung umzugehen, in Frieden mit sich selbst zu sein und sich mit anderen verbunden zu fühlen. Das heißt nicht, dass wir, wenn wir Achtsamkeit praktizieren, auf einer rosaroten Wolke durch diese Krise schweben. Aber wir lernen, die Welt so zu sehen wie sie ist, mit allen Tiefen und – ja auch – schönen Momenten.